© Eingang der Landesbibliothek/Michael Selzer

In 25 Tagen

Was war DDR-Literatur und was hätte sie sein können?

Auf einen Blick


Die seit 1949 in der DDR entstehende Literatur ist in Westdeutschland bis zum Mauerbau 1961 nicht wahrgenommen worden, weder von den Lesern, noch von den Literaturkritikern. Das fiel zwei Kennern der DDR-Literatur auf: dem Niederländer Ad den Besten, der 1960 im Hanser-Verlag/München  unter dem Titel „Deutsche Lyrik auf der anderen Seiten“ eine Anthologie von DDR-Gedichten herausgab, und dem 1958 aus Polen nach Westdeutschland übergesiedelten Marcel Reich-Ranicki, der als List-Taschenbuch einen Sammelband unter dem Titel „Auch dort erzählt Deutschland“ mit zehn Prosatexten veröffentlichte.

Mit der Ausrufung der Literaturbeweegung des „Bitterfelder Wegs“ am 24. April 1959 im Kultursaal des „Elektrochemischen Kombinats“ in Bitterfeld bei Halle sollte eine eigenständige DDR-Literatur geschaffen werden, die sich in der Thematik und durch die Biografien ihrer Verfasser grundsätzlich von der „bürgerlichen“ Literatur in Westdeutschland unterschied. Unter der Parole „Greif zur Feder, Kumpel!“ wurden die Industriearbeiter aufgefordert, Romane, Erzählungen und Gedichte über die Arbeitswelt zu schreiben, während von den Berufsschriftstellern erwartet wurde, den Schreibtisch zu verlassen und in den Betrieben Erfahrungen zu sammeln und darüber zu schreiben.

Der Mauerbau am 13. August 1961 konterkarierte diese Literaturbewegung und ließ sie schließlich scheitern. In den Romanen und Dramen, die nach 1961 erschienen, wurden zwar die Bitterfelder Vorgaben aufgegriffen und die Handlungen in Industriebetrieben angesiedelt, innerhalb dieses Rahmens aber wurden ganz andere  Themen diskutiert, statt des „Aufbaus des Sozialismus“, der in leuchtenden Farben geschildert werden sollte, ging es um ineffektive Planwirtschaft, Erfahrungen mit staatlicher Willkür und politischer Strafjustiz, Republikflucht nach Westberlin, Machmissbrauch durch SED-Funktionäre und wachsende Umweltverschmutzung.

Die DDR-Literatur zwischen 1961 und 1989 erobert sich Freiräume in der literarischen Aussage, die aber immer wieder durch staatliche Gegenaktionen wie das XI. Plenum 1965 oder die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 eingeengt und beschnitten werden.

Nach 1961 spaltet sich die DDR-Literatur in drei Strömungen auf: 1.) Die in der DDR geschriebene und veröffentlichte Literatur.
2.) Die in der DDR geschriebene und nur in Westdeutschland veröffentlichte Literatur. 3.) Die Untergrundliteratur, die unveröffentlicht blieb.

Die DDR-Literatur ist Ausdruck der Diktaturerfahrungen ihrer Verfasser, was die westdeutsche Literatur nicht zu bieten hat. Überzeugendstes Beispiel ist hier der Schriftsteller Erich Loest (1926-2013), der sieben Jahre im Zuchthaus in Bautzen als politischer Häftling verbrachte.

Weitere Termine

Auf der Karte

Landesbibliothek Coburg, Andromedasaal
Schlossplatz 1
96450 Coburg

Tel.: 09561 / 85380
Fax: 09561 / 8538201
E-Mail:
Webseite: www.landesbibliothek-coburg.de

Was möchten Sie als nächstes tun?

Sie benutzen offenbar den Internet Explorer von Microsoft als Webbrowser, um sich unsere Internetseite anzusehen.

Aus Gründen der Funktionalität und Sicherheit empfehlen wir dringend, einen aktuellen Webbrowser wie Firefox, Chrome, Safari, Opera oder Edge zu nutzen. Der Internet Explorer zeigt nicht alle Inhalte unserer Internetseite korrekt an und bietet nicht alle ihre Funktionen.